Home Interview With Love from Berlin – Bubblemum Society meets Nici Zinell – Founder of Noé & Zoë

With Love from Berlin – Bubblemum Society meets Nici Zinell – Founder of Noé & Zoë

by Julia

Nici Zinell, die Gründerin von Noé & Zoë empfängt uns in ihrem lichtdurchfluteten Altbau Büro unweit der Schönhauser Allee. Zugegeben es war nicht einfach, ihr ein wenig Zeit zu stehlen, da sie gleichzeitig mit 3 Kollektionen ihres Brands Noé & Zoë beschäftigt ist. Der Sommer 20 will ausgeliefert werden, der Verkauf der nächsten Winterkollektion an die Händler ist gestartet, und Sommer 21 wartet schon auf kreativen Input. Umso mehr schätzen wir es, dass sie den Vormittag für uns freimachte und so fokussiert bei der Sache war. Wir sprachen über die Kidswear Branche, den deutschen Konsumenten, das Thema Nachhaltigkeit und wie Nici zusätzlich zu ihrem Unternehmen noch 4 Kinder stemmt. Beeindruckende Frau das, aber lest selbst…

BMS: Wir haben dir vorab ein paar Fragen geschickt, hast Du Zeit gefunden, sie anzuschauen?

Nici: Ja, selbstverständlich und ehrlich gesagt bin ich ein wenig froh, sie nicht schriftlich beantworten zu müssen, mir liegt das Verbale nämlich deutlich mehr.

BMS: Wir fangen chronologisch an, wie ging es los mit Noé & Zoë? Ich recherchierte 2011.

Nici: Also eigentlich haben meine damalige Partnerin und ich schon 2009 begonnen, da war das Konzept aber noch ein anderes. Ursprünglich wollten wir einen Laden eröffnen mit unserem eigenen Produkt und anderen Marken. Dann wurden wir gleichzeitig schwanger mit ähnlichem Entbindungstermin und haben uns an einem Onlineshop versucht. Das ist aber natürlich schwierig, wenn man kaum Erfahrung besitzt und 2 Neugeborene im Schlepptau hat. Irgendwie passierte da nicht genug und wir mussten etwas ändern.

2011 waren wir dann mit unserem letzten Budget das erste Mal auf der Playtime in Paris als Aussteller dabei. Im Nachhinein lustig. Völlig planlos sind wir mit vollem Kofferraum dorthin gefahren und überraschend mit Ordern aus Südkorea und den USA kamen wir zurück. Der Startschuss für Noé & Zoë war also eigentlich die Kollektion Sommer 2012. Wir haben in Österreich kleine Mengen produzieren lassen und uns immer von Step zu Step und Messe zu Messe gehangelt, aber irgendwie hat es funktioniert. Also im Sommer 22 wird Noé & Zoë offiziell 10 Jahre alt.

BMS: Wie es kam es, daß du alleine weitergemacht hast?

Nici: Meine Partnerin bekam dann noch ein Baby und es ergab sich ein Ungleichgewicht in unserem Workload. Uns ist damals keine wirkliche Lösung eingefallen, es gerechter zu managen, mit insgesamt 8 Kindern natürlich sowieso eine Herausforderung. Aber mein Mann konnte mich zu Hause viel entlasten und gibt mir immer noch viel Rückendeckung. Seit 2013 mache ich Noé & Zoë alleine. Funktionierte aber gut.

BMS: Wahnsinn, du hast noch 4 Kinder?

Nici: Ja, der Älteste Sam arbeitet jetzt sogar mit mir zusammen und das klappt wunderbar. Familienunternehmen Feeling. Er kümmert sich um alle Bereiche, die einen graphischen Anspruch mitbringen, hat zum Beispiel den Webshop neu aufgestellt und ist eine wichtige Stütze. Die anderen Kids sind 15, 12 und 9.

BMS: Wow.

BMS: Was ist dein Erfolgskonzept?

Nici: Wir waren damals die Einzigen, die Neonfarben angeboten haben. Zum Beispiel unser Sternedruck auf naturfarbenem Untergrund, das war besonders. Der Markt war auch noch lange nicht so entwickelt wie heute. Das hat jetzt Vor-aber auch Nachteile. Die Einkäufer sind aktuell schon sehr in Zeitnot und bei rund 450 Ausstellern auf der Playtime fällt es ihnen schwer, sich zu fokussieren. Alle versuchen ständig, etwas Neues zu finden. Es gibt viel Neues, aber stilistisch sind die Brands sich am Ende doch sehr ähnlich.

BMS: Wie gehts dem Handel?

Nici: Es ist nicht leicht, sich zu behaupten, abgesehen von der Fast Fashion Konkurrenz, machen die Onliner mit ständigen Reduzierungen es nicht leichter, eine Saison erfolgreich zu verkaufen, ohne große Einbußen hinzunehmen.

BMS: Magst du mal 3 für Euch wichtige Händler nennen?

Nici: Liberty London gehört dazu, Alex and Alexa und Yoox, Italien. Deutschland ist kein einfacher Markt für uns. Unser online Shop funktioniert aber sehr gut. Und das auch weit über die Grenzen Berlins hinaus. Aber dennoch bleibt das Gefühl, viele deutsche Konsumenten schätzen Funktionalität und niedrige Preise, wenn es um Kinderbekleidung geht.

BMS: Das hören wir leider oft und hoffen, dass wir dahingehend doch ein wenig Lust machen können, in schönes Design und Wertigkeit zu investieren. Dass Noé & Zoë vor allem international erfolgreich ist, liegt an den Messeauftritten?

Nici: Ja, klar. Wir haben selbst die Pitti Bimbo in Italien nicht ausgelassen. Und New York war auch von Anfang an super. Dadurch haben wir schnell sehr international agiert.

BMS: Du produzierst ausschließlich in Portugal?

Nici: Ja, mit einem Umweg über die Türkei hat es sich so ergeben. In der Türkei kam ich nicht so gut zurecht. Die Kommunikation war nicht leicht und die Produktionsstätte für kleinere Produktionen auch weniger geeignet. In Portugal klappt es jetzt ganz prima und dort wird auch mal ein Teil in niedriger Auflage produziert. Und die Arbeitsbedingungen dort haben mich überzeugt. Unsere Baumwolle kommt auch aus Portugal, bei den Basics arbeiten wir mit Biobaumwolle.

BMS: Noé & Zoë ist nicht GOTS zertifiziert?

Nici: Bislang nicht. Es ist aber leider häufig so, daß die konventionelle Ware sich gar nicht unterscheidet in der Herstellung. Und die Fertigungstrassen identisch so benutzt werden, wie kurze Zeit später für die GOTS Ware. Für den Produzenten ist die Zertifizierung auch sehr teuer. Und es auf den Kunden umzulegen auch keine schöne Option. Aber ich arbeite daran. Und mache auch immer wieder Sachen aus alten Stoffen, damit diese noch Verwendung finden. Das kommt gut an.

BMS: Die Marke hat einen hohen Wiedererkennungswert.

Nici: Liegt sicher auch daran, daß es bestimmte Muster gibt, wie unsere Streifen oder Sterne, die in jeder Kollektion vorkommen.

BMS: Bist Du alleinig für das Design verantwortlich? Woher kommen die Inspirationen.

Nici: Ja. Ich arbeite für die Prints zusammen mit einer Illustratorin, sie lebt in Thailand, aber ich schätze ihre Arbeit einfach sehr. Was die Inspiration betrifft. Ich bin viel in der Welt unterwegs, schaue gerne Filme, mag Kunst und Museen und nicht zuletzt inspirieren mich die eigenen Kinder.

BMS: Wieviel Zeit hast Du, um eine Kollektion zu entwickeln?

Nici: Nicht viel. Ich sammele natürlich immer zwischendurch Input, aber am Ende muss es in 2 Wochen stehen. Kurz und intensiv. Aber es fällt mir nicht so schwer. Nur ein wenig Abschottung brauche ich dafür. Der kreative Part macht vielleicht 10% meiner Arbeit aus.

BMS: Was ist denn eigentlich aus dem Laden-Büro in der Rykestrasse geworden?

Nici: Uns wurde nach Verkauf 2018 die Miete verdreifacht, da machte das Konstrukt so keinen Sinn mehr. Ich liebäugele aber immer noch mit der Idee eines eigenen Store, gehe auch selber lieber ins Geschäft, als online einzukaufen. Es wäre schön, wenn die Kunden intensivere Produktberatung bekämen. Wir starten im März in Porto mit einem kleinen Shop, mal sehen, wie das funktioniert.

BMS: Ist Langlebigkeit Dir wichtig?

Nici: Ganz klar im Fokus. Wir wollen, dass die Sachen weitergegeben werden zum 2. und 3. Kind. Das habe ich persönlich immer so gemacht und dann die Sachen noch in den 2nd Hand Store gegeben. Ich freue mich auch sehr, dass Ihr meine Musterteile jetzt bei Bubblemum verkauft. Das ist ein absoluter Aufwärtstrend. Weg von der Wegschmeißkultur.

Wir haben unsere „Who made your clothes“ Kampagne auch gemacht, um zu zeigen, wie viel Arbeit eigentlich hinter den Produkten steht und wenn unter menschenwürdigen Bedingungen produziert werden soll, dann müssen die Sachen etwas kosten. Ich habe zum Beispiel eine Produktionsstätte, in der nur ältere Frauen beschäftigt werden, die es in Portugal schwerer haben, eine Anstellung zu finden. So etwas ist mir wichtig.

BMS: Du belieferst weite Teile der Welt. Wie stellt man sich auf die unterschiedlichen Bedürfnisse ein?

Nici: Nicht so einfach, es geht los bei den unterschiedlich gewünschten Lieferterminen, Italien zum Beispiel wünscht immer eine sehr späte Auslieferung, da muss man die Ware lange vorfinanzieren. Auch in Sachen Sale Start sind sich die Länder nicht einig. Australien und Neuseeland sind natürlich auch in einem anderen Rhythmus unterwegs, auch Kuwait oder die Emirate brauchen eigentlich keine Wintersachen, da muss man saisonübergreifender denken. Ich habe jetzt zum Beispiel auch T-Shirts in der Winterkollektion, wird ja im August ausgeliefert. Außerdem mehr Basics für das ganze Jahr, wie unsere Leggings. So gibt es viele Herausforderungen, ich kann mich aber immer besser darauf einstellen!

BMS: Vielen Dank liebe Nici für Deine spannenden Einblicke.

Alle Kollektionsbilder zeigen Frühjahr/Sommer 2020.

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